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WECHSELJAHRE: NATÜRLICHE HILFEN FÜR DIE FRAU UM 50

Von Redaktionsteam FID Gesundheitswissen 10. November 2017

Viele Frauen wollen oder sollen keine Hormone einnehmen, doch sie fühlen sich verunsichert, weil sie sich „im Wechsel“ befinden und keine oder wenige Symptome verspüren. Sie befürchten negative Folgenoder Erkrankungen, wenn sie keine Hormone schlucken. Das suggerieren viele Medien. Immerhin gilt es, vorzeitigem Altern und Krankheiten wie Osteoporose oder Herzinfarkt vorzubeugen.

Doch wenn kein spezielles Risiko vorliegt, gilt eine allgemeingesunde Lebensführung mit heilkräftiger Unterstützung zur Linderung der Beschwerden und zur Vorbeugung von Krankheiten als sinnvoll und wirksam.

 

Wechseljahrsbeschwerden: Hilfe aus der Naturheilkunde

Für die Beschwerden in den Wechseljahren bietet sich eine Fülle natürlicher oder naturheilkundlicher Behandlungsmöglichkeiten an. Diese schließen die Symptome ein, die direkt mit dem Hormonabfall zusammenhängen. Dazu zählen Blutungsunregelmäßigkeiten oder Rückbildung der Scheidenhaut mit Juckreiz. Auch eignen sie sich bei Symptomen, die mit einer zeitweisen Fehlsteuerung des vegetativen Nervensystems einhergehen: Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Herzrasen, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Reizbarkeit.

Die Möglichkeiten der Naturheilkunde erstrecken sich auch auf die Behandlung von Beschwerden in dieser Zeit, die nicht unmittelbar mit dem Hormonentzug zusammenhängen. In der Regel bestanden diese Beschwerden vorher. Sie melden sich jedoch in den Wechseljahren deutlicher als zuvor. Dazu gehören beispielsweise Verdauungsbeschwerden mit Verstopfung, Völlegefühl, Blähungen, Hämorrhoiden, Reizblase und unfreiwilliges Wasserlassen, diffuse Gelenkbeschwerden oder Zunahme von Muskelschmerzen mit Verspannungen insbesondere im Schulter-Nacken-Bereich.

Es geht auch ohne Hormone!

Zur Hormonersatzbehandlung gibt es natürliche Alternativen. Sie stammen zum großen Teil aus dem Erfahrungsschatz der Heilkundigen, die schon in alten Zeiten und in anderen Erdteilen den Frauen in den kritischen Jahren halfen. Die Hormonumstellung in den Wechseljahren verläuft bei den Frauen unterschiedlich stark und bereitet entsprechend größere oder minimale Probleme.

Zum „klimakterischen Symptomenkomplex” gehören vor allem Hitzewallungen, Schweißausbrüche, nervöse Reizbarkeit und Unruhe, depressive Verstimmungen, Schlaf- oder Konzentrationsstörungen sowie andere psychovegetative Erscheinungen. Allerdings erleben wenige Frauen alle diese Beschwerden. Die Menopause (Zeitpunkt der letzten Menstruation) kündigt sich bei vielen schon Jahre zuvor durch unregelmäßige, heftige oder abgeschwächte Monatsblutungen an. Ein verstärktes prämenstruelles Syndrom (PMS) mit Reizbarkeit, Nervosität und depressiven Verstimmungen kommt unter Umständen hinzu.

Mönchspfeffer reguliert den Monatszyklus

Hier bewährte sich seit langem Agnus castus (Mönchspfeffer). Er enthält keine Östrogene, sondern wirkt auf die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Ihr kommt eine wichtige Steuerungsfunktion im komplizierten Hormonhaushalt zu. Lässt im Zuge der Hormonumstellung zuerst der Gegenspieler der Östrogene (Progesteron) nach, kommt es zu einem relativen Östrogenüberschuss.

Östrogene wiederum stimulieren das Hormon Prolaktin. Dieses ist eigentlich für die Milchbildung zuständig. Dafür benötigt der Körper es jetzt nicht. Auf diese Weise überschüssig, verursacht es indirekt über die komplizierten Steuerungsmechanismen der Hirnhangsdrüse Beschwerden des PMS und der Wechseljahre. Hier setzt Agnus castus an: Er wirkt regulierend auf den Monatszyklus und lindert die Beschwerden.

 

Östrogene in Heilpflanzen

Für eine Frau, die wenig Östrogene hat, für die aber Hormonersatz nicht in Frage kommt, gibt es pflanzliche Alternativen. Einen besonders hohen Gehalt an stark wirksamen pflanzlichen Östrogenen besitzt Cimifuga racemosa, die Traubensilberkerze (auch Wanzenkraut genannt, aus der Familie der Hahnenfußgewächse). Diese Arzneidroge verordnet der Arzt bei Östrogenmangel. Traditionell kommt sie als Beruhigungsmittel und gegen psychisch bedingte Beschwerden oder Schmerzen zum Einsatz. Fragen Sie dazu Ihren Arzt.

Eine andere Möglichkeit, vor der Menopause und ein Jahr danach östrogenmangelbedingte Beschwerden zu mildern, bieten Präparate aus getrockneter Kälbermilz. Sie stimulieren die Eierstöcke zur Bildung von mehr Östrogenen. Sie eignen sich also nur, solange die Eierstöcke auf eine solche Stimulation reagieren. Das ist meist der Fall, wenn die Menstruation noch erfolgt oder bis zu einem Jahr danach. Eine hormonelle Behandlung sollte noch nicht stattgefunden haben. Darüber hinaus bildet ein hormonabhängiger Tumor eine Gegenzeige für Kälbermilzpräparate.

Homöopathische Arzneien

Die Homöopathie kennt ausgesprochene Frauenmittel. In homöopathisch ausgerichteten Apotheken bekommen Sie eine Beratung, wenn Sie fertige Kombinationen gegen bestimmte Wechseljahrsbeschwerden bevorzugen.

Um ein individuell auf Sie und Ihre Persönlichkeit abgestimmtes Mittel zu erhalten, das Sie wahrscheinlich von manchen anderen Beschwerden befreit, suchen Sie eine klassisch homöopathische Praxis auf.

 

Überblick: So helfen die verschiedenen HeilpflanzenDie Traubensilberkerze (Cimicifuga) gilt als geläufigstes pflanzliches Mittel für die Wechseljahre. Mit ihr führen Sie dem Körper pflanzliche Östrogene zu, sodass die Hormonumstellung langsamer und schonender abläuft. Nehmen Sie Cimicifuga nicht auf eigene Faust. Klären Sie erst ärztlich ab, ob das Mittel bei Ihnen hilft. Unter Umständen liegt Ihren Beschwerden eine andere Ursache zugrunde.Spielen depressive Verstimmungen eine Rolle, nehmen Sie ein Kombinationspräparat Cimicifuga plus Johanniskraut oder Johanniskraut allein (300 bis 600 mg pro Tag) ein. Beides bewährte sich und verträgt sich in der Regel gut.Der Mönchspfeffer(Agnus castus; Fertigpräparat) wirkt ausgezeichnet bei Frauen, die in den Wechseljahren typische prämenstruelle Beschwerden wie Wassereinlagerungen, Brustspannen und/oder Depression aufweisen. Darüber hinaus verordnet der Arzt dieses Mittel bei einer verkürzten zweiten Zyklushälfte.Bei Hitzewallungen und Nachtschweiß empfiehlt sich sich neben der Traubensilberkerze Salbei in hoher Dosierung (Dragees 240 bis 480 mg Salbeiextrakt). Möglicherweise genügt Ihnen die geringere Dosierung von Salbei als Tee (ein Teelöffel pro Tasse). Er schmeckt leicht bitter und trifft nicht jeden Geschmack. Versuchen Sie eine Mischung mit Fenchel und Zitronenmelisse (ein Teelöffel Mischung pro Tasse). Salbei lindert darüber hinaus ängstliche Nervosität.Bei Ängsten hilft Kava Kava sehr gut. Dabei handelt es sich um eine beruhigende Heilpflanze aus der Südsee (nur als Fertigpräparat in Apotheken zu kaufen; Rücksprache mit Ihrem Therpeuten). Oder Sie nehmen eine Teemischung aus Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume (ein Teelöffel Mischung pro Tasse).Neigen Sie zu Wassereinlagerungen (auch in den Beinen) und Übergewicht, empfiehlt sich statt regelmäßiger Anwendung von Diuretika (Entwässerungsmitteln) und Laxantien (Abführmitteln) eine Teemischung aus Birkenblättern, Brennessel, Goldrute, Hauhechel und Liebstöckel und Schachtelhalmkraut (ein Teelöffel Mischung auf eine Tasse). Auch ein Apfel-, Reis- oder Spargeltag helfen.Verdauungsbeschwerden aller Art behandelt man mit einem Tee aus Fenchel, Kümmel und Anis (ein Teelöffel Mischung pro Tasse, dreimal täglich). Probieren Sie eine warm-feuchte Auflage auf den Bauch aus: Tauchen Sie ein Handtuch in heißen Kümmeltee (zwei Esslöffel Kümmel auf einen halben Liter Wasser). Nach dem Auflegen hält ein größeres Handtuch darüber die Kompresse länger warm.Bei Reizungen und Entzündungen der Vagina (Scheide) und Vulva (äußeres weibliches Genitale) helfen Sitzbäder mit Ringelblume oder Eichenrindepulver sowie Kamille. Ein Kamillenbad lindert Juckreiz, kann aber die Schleimhaut zu sehr austrocknen und sollte nicht zu oft zum Einsatz kommen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt die Häufigkeit der Anwendung ab. In die Scheide führen Sie Joghurtkulturen (Tampon in Naturjoghurt tauchen) oder Milchsäurezäpfchen ein (aus der Apotheke, im Kühlschrank lagern).Bei langanhaltenden Monatsblutungen hilft Hirtentäschelkraut sehr gut (ein Teelöffel Kraut auf eine Tasse, dreimal täglich). Sind die Blutungen nicht eindeutig der regelmäßigen Menstruation zuzuordnen, ist unbedingt ärztliche Kontrolle erforderlich.Die tägliche Nahrung ist das A und O

Die Wechseljahre bezeichnen eine normale Übergangsphase und keine Krankheit. Der weibliche Körper ist in dieser Zeit besonders empfänglich für positive Zuwendung und eine gesundheitsbewusste Veränderung der Lebensführung. Dabei kann man die gesunde Ernährung nicht hoch genug einschätzen. Die Kost sollte unbedingt gut verdaulich sein, damit der Körper sie verwertet. Viele Frauen vertragen zum Beispiel keine Rohkost und bekommen Verdauungsbeschwerden. Zu den Ursachen gehört neben Bewegungsmangel und Abführmittelmissbrauch möglicherweise ein jahrelanger Raubbau durch eine ballaststoffarme und zuckerreiche Kost, durch Konserven- und Instantprodukte etc.

Mit gezielter Ernährung tragen Sie sanft zur Ausgeglichenheit ihres Östrogenspiegels bei, denn viele Nahrungsmittel enthalten pflanzliche Östrogene. Östrogenempfindliche Frauen oder solche mit östrogenabhängigen Tumoren brauchen keine Angst vor den pflanzlichen Östrogenen zu haben. Diese hemmen sogar das Wachstum von Tumoren. Darüber hinaus entfalten Phytoöstrogene herzschützende Effekte, weil sie das schädliche LDL-Cholesterin senken. Nach heutigen Erkenntnissen wirken Phytoöstrogene allerdings nicht direkt gegen Osteoporose. Die wichtigsten Nahrungspflanzen mit leicht östrogener Wirkung sind Sojabohnen, alle Vollkornprodukte, Samen und Beeren (insbesondere Blau-, Johannis- und Stachelbeeren).

 

Phytoöstrogene in Lebensmitteln

Phytoöstrogene bezeichnen aus pflanzlichen Stoffen hergestellte Präparate, die im Körper wie Östrogen wirken. Jedoch wirken sie schwächer als das im Körper natürlich vorkommende Östrogen. Sie kommen in Sojabohnen, Kichererbsen und anderen Hülsenfrüchten sowie in Ölsamen wie Leinsamen und in Vollkorngetreide, Bohnen, Gemüse und Früchten vor. Einige Leute sehen Phytoöstrogene als eine frei verkäufliche Alternative zur verschreibungspflichtigen konventionellen Hormontherapie an.

Die konventionelle Östrogentherapie enthält Substanzen, die man aus Tieren oder Pflanzen gewinnt oder synthetisch herstellt. Sie gehören zur Östrogen- oder Progesteronfamilie. Die Autoren des Überblicksartikels über Phytoöstrogene trugen keine klaren Beweise für die günstige gesundheitliche Wirkungen der Phytoöstrogene zusammen.

Wechseljahre: Mehr Bewegung!

Bewegung gilt als Fortbewegung und Selbsttherapie zugleich. Wenn Ärzte immer wieder eine regelmäßige Bewegung empfehlen, dann geht es um einen Komplex von gesundheitlichen Belangen, die positiv auf Bewegung ansprechen: